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Arbeiten 4.0 – der Weg heißt Pluralität - eine Standardlösung für alle gibt es nicht

Veröffentlicht am 20.04.2016 | Organisations­beratung

„Was sich sinnvoll digitalisieren lässt, wird digitalisiert“ – so Henning Kagermann, Präsident der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften in einem Artikel zum Thema: Digitalisierte Arbeitswelt - Die Arbeiter bleiben in der Fabrik. „Roboter verändern unser Leben und Arbeiten. Das heißt aber noch lange nicht, dass wir nichts mehr zu tun hätten.“
Die Herausforderungen heißen also: wie lässt sich die Digitalisierung gestalten, nicht etwa „wie lässt sie sich verhindern?“ Dass Unternehmen und Arbeitsprozesse zunehmend digitalisiert werden, ist unumstritten, die Entwicklung ist in vollem Gang.
Wie aber sollen die neuen Unternehmen und der neue Arbeitsalltag aussehen? Arbeiten wir alle nur noch im home-office, steuern wir aus der Ferne irgendwelche Roboter und sind 24 Stunden am Tag verfügbar?
„Die Digitalisierung bringt uns großartige Möglichkeiten“ sagen fasziniert die Einen – „sie wird die Welt unmenschlicher und die Menschen entweder arbeitslos machen oder die Anforderungen unendlich erhöhen“ – beschwören die Skeptiker die Gefahren der Entwicklung. Dabei werden Szenarien von Überbeanspruchung und Überforderung gezeichnet und Menschen, die nicht der Generation der „Digital Natives“ angehören, wähnen sich bereits auf dem Abstellgleis.

 

7 verschiedene Arbeitstypen

Im März 2016 hat das Bundesministerium für Arbeit und Soziales eine repräsentative Studie mit dem Titel „Wertewelten Arbeiten 4.0“ vorgestellt, in dem den Vorstellungen von Menschen in Deutschland zum Thema Arbeit nachgegangen wird. Die Studie zeigt eindrucksvoll wie unterschiedlich diese Vorstellungen und Ideale in Deutschland  sind. 
7 verschiedene Arbeitstypen hat die Studie identifiziert, die auf dem Hintergrund von unterschiedlichen Wertewelten stehen. Die Studie nennt auch die anteilige Verteilung in der bundesdeutschen Bevölkerung.

 

• SORGENFREI VON DER ARBEIT LEBEN KÖNNEN (28%)
• IN EINER STARKEN SOLIDARGEMEINSCHAFT ARBEITEN (9%)
• DEN WOHLSTAND HART ERARBEITEN (15%)
• ENGAGIERT HÖCHSTLEITUNGEN ERZIELEN (11%)
• SICH IN DER ARBEIT SELBST VERWIRKLICHEN (10%)
• BALANCE ZWISCHEN ARBEIT UND LEBEN FINDEN (14%)
• SINN AUSSERHALB SEINER ARBEIT SUCHEN (13%)

 

Klares Ergebnis ist, dass die Vorstellungen von Arbeit sehr unterschiedlich sind, dass sich somit auch die Ansprüche an Arbeit immer mehr pluralisieren werden und dass die Unterschiede über Trennlinien wie Einkommen oder Ausbildung und das Alter der Befragten hinweggehen.
Was für die einen wünschenswerte Zukunft ist, stellt für die anderen ein bedrohliches Szenario dar.
So gibt es z.B. zur Arbeitszeitgestaltung grundsätzlich unterschiedliche Vorstellungen, die sich in zwei verschiedene Modelle sortieren lassen.
Während auf der einen Seite die Vorstellung steht, dass Arbeit und Privates voneinander abgetrennt sein soll, dass Planbarkeit, geregelte Arbeitszeiten und sorgenfreies Leben die Idealvorstellung von Arbeit prägen, steht auf der anderen Seite die Vorstellung des Ideals der individualisierten Arbeitszeiten, geprägt durch Eigeninitiative, freie Zeiteinteilung, Selbstverwirklichung und Flexibilität bei gleichzeitiger hoher, jedoch positiv empfundener Beanspruchung.

 

Quelle: http://www.arbeitenviernull.de/fileadmin/Downloads/BMAS_Halbzeitkonferenzl.pdf

Der Begriff der Flexibilität bedeutet somit für die einen Selbstbestimmtheit und ist positiv besetzt, für die anderen steht hinter Flexibilität die Fremdbestimmtheit und sie wird negativ gesehen.

 

Was sollten Unternehmen tun?

Was heißt das aber nun für Unternehmen, die sich den Themen der Zukunft stellen, auch in Zukunft attraktiver Arbeitgeber sein wollen und denen klar ist, wie wichtig es ist, die Mitarbeiter, egal welcher Ebene, auf diesem Weg mitzunehmen?
Es bedeutet, dass es im Unternehmen unterschiedliche Möglichkeiten geben muss, die neue Arbeitswelt zu gestalten und zu leben. Ein Modell passt nicht für alle. Ein einziger Weg, mit dem alle glücklich werden sollen, ist zum Scheitern verurteilt.
Die Entwicklung muss zum Unternehmen, zur Branche und zu den Menschen passen, die im Unternehmen arbeiten. Und es ist nicht damit getan, schönere Gebäude, viele Glasflächen und eine funktionierende IT zu schaffen.
Wenn ich als Beraterin im Rahmen meiner Arbeit mit der Realität in Unternehmen zu tun habe, scheint die Arbeitswelt 4.0 jedoch noch in unendlich weiter Ferne zu sein. Natürlich unterstützen Technik und IT bereits jetzt in vielen Bereichen die täglichen Abläufe und übernehmen Routinetätigkeiten, die noch vor einigen Jahren in mühsamer Kleinarbeit abgearbeitet werden mussten.
Was aber die Formen der Zusammenarbeit und die Organisation des betrieblichen Alltags angeht, scheint sich in normalen Unternehmen noch nicht viel getan zu haben.
Digitaler Fortschritt braucht auch neue Strukturen der Zusammenarbeit und Kooperation. Neue Technik ist nur das Hilfsmittel. Die positiven Effekte der neuen Technik für die Arbeitswelt müssen parallel dazu entwickelt werden. Dabei gibt es keine Standardlösung für alle. Pluralität muss wohl für jedes Unternehmen unterschiedlich aussehen und sie muss entwickelt werden.
Wenn Sie sich, passend für Ihr Unternehmen, in Bewegung setzen wollen, kommen Sie auf uns zu. Wir unterstützen Sie gerne auf dem Weg zur Arbeit 4.0

Und wenn Sie wissen möchten, welcher Arbeitstyp Sie sind, hier ist der Link zum Selbsttest: 
http://www.arbeitenviernull.de/mitmachen/wertewelten.html

 

Gabriele Maier-Güttler

Beraterin im Bereich Organisationsberatung