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Unser Leser H. aus Balingen fragt:

Veröffentlicht am 23.10.2014 | Erfolgreich bewerben

"Ich bin Diplom-Kaufmann, 52 Jahre alt und war die vergangenen 12 Jahre als Kaufmännischer Leiter tätig, die letzten fünf Jahre für einen international tätigen deutschen Mittelständler. Mit der neuen Geschäftsleitung gab es unterschiedliche Meinungen hinsichtlich der Unternehmensstrategie, so dass wir uns einvernehmlich getrennt haben. Nun bin ich in der beruflichen Neuorientierung und habe zwar schon das zweite Angebot, aber auch dieses liegt gehaltlich ca. 30% unter meinem bisherigen Gehalt. Mache ich mich nicht unglaubwürdig, wenn ich einen solchen Rückschritt in Kauf nehme?"

 

Sehr geehrter Herr H.,

Das Gehalt soll den Gegenwert Ihrer Arbeitsleistung entsprechen und den Nutzen honorieren, den Ihre Tätigkeit dem Unternehmen bringt. Die Frage ist, wie der Nutzen definiert bzw. gemessen wird und wie hoch man diesen einschätzt.

Die Höhe des Gehalts kann von Unternehmensseite für die Position des kaufmännischen Leiters in der Regel völlig frei definiert werden. Verschiedene Gehaltsstudien zeigen, dass das Gehalt von Branche zu Branche unterschiedlich ist, in größeren Firmen eher höher liegt als in kleineren und in der Stadt tendenziell höher als auf dem Land.

Die Position des kaufmännischen Leiters ist kein geschützter Begriff, insofern kann das Aufgabengebiet von Unternehmen zu Unternehmen verschieden sein. Es kann schlicht die Buchhaltung beinhalten oder darüber hinaus noch das Controlling, außerdem manchmal auch IT, Vertrieb, Einkauf oder Personal. Je spezieller das Aufgabengebiet ist - sind beispielsweise besondere Branchen- oder Sprachkenntnisse erforderlich - desto weniger Bewerber gibt es für die Position und desto eher ist das Unternehmen bereit, ein höheres Gehalt zu zahlen. Gibt es umgekehrt viele Bewerber, die für ein niedrigeres Gehalt als Ihr bisheriges dem Unternehmen den gleichen Nutzen bringen, dann werden diese Kandidaten den Vorzug bekommen, bzw. ist das Angebot von Seiten des Unternehmens entsprechend niedriger.

Die Frage ist, warum das angebotene Gehalt 30% unter Ihrem vorherigen liegt. Lag Ihr bisheriges Gehalt deutlich über dem Durchschnitt der Gehälter für kaufmännische Leiter, so ist es wahrscheinlich, dass Ihr zukünftiges Gehalt niedriger liegt. Das kann z. B. sein, weil bisher mehrere der oben genannten Punkte auf Ihre Situation zugetroffen haben und nun einer oder mehrere davon wegfallen.

Es sollen ja am Ende beide Parteien mit dem abgeschlossenen Arbeitsvertrag zufrieden sein, sowohl Sie als auch der potentielle zukünftige Arbeitgeber. Wenn Sie also den Eindruck haben, dass das Gehalt zum Aufgabengebiet und zur Gesamtkonstellation passt, wenn Sie auch hinsichtlich Ihrer Ansprechpartner, der Unternehmenskultur und der Unternehmensstrategie ein gutes Bauchgefühl haben, spricht in meinen Augen nichts dagegen, das Angebot anzunehmen.

Liegt dagegen der Gehaltsvorschlag deutlich unter dem Durchschnitt und passt auch nicht zum Aufgabengebiet, haben Sie aber ansonsten einen guten Eindruck vom Unternehmen und der Geschäftsführung, sollten Sie das Gespräch suchen und nach einer Lösung suchen. Dadurch geben Sie damit auch eine Arbeitsprobe ab: Sie kennen den Markt, Sie zeigen Engagement für die Aufgabe und das Unternehmen, Sie haben Standing und können eine Verhandlung führen.

Letztendlich ist es einfach wichtig, dass Sie konsequent handeln und sich nicht von vagen Vermutungen leiten lassen. Dann bleiben Sie glaubwürdig.

Wenn Sie noch weitergehende Fragen zum Thema 'Gehalt' bzw. 'Gehaltsstruktur' haben, steht Ihnen unser Fachbereichsleiter 'Compensation & Benefit', Klaus Scholbeck, gerne zur Verfügung.

 

Dr. Meera Gandbhir

Seniorberaterin und Prokuristin