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Unser Leser T. aus Pfungstadt fragt:

Veröffentlicht am 23.04.2015 | Erfolgreich bewerben

„Ich habe Betriebswirtschaft studiert und mittlerweile 16 Jahre Berufserfahrung. Die letzten knapp vier Jahre war ich als Geschäftsführer einer mittelständischen Firma mit 320 Mitarbeitern tätig. Ich kann auf einige Erfolge verweisen, z. B. habe ich die Abläufe im Unternehmen effizienter gestaltet, konnte Kosten reduzieren und den Vertrieb dabei unterstützen, neue Aufträge zu gewinnen. Da jedoch der Generationswechsel im Unternehmen gescheitert ist, hat nun eine Investorengruppe das Unternehmen übernommen und ich habe einen Aufhebungsvertrag unterschrieben. Bei der Suche nach einer passenden neuen Aufgabe ist mir wichtig, dass ich mich wieder umfassend in eine vergleichbare Position einbringen und mitgestalten kann. Auch das Gehalt ist natürlich nicht unwichtig. Ich habe zwar schon einige Aktivitäten gestartet und habe schon ein paar Gespräche geführt. Das Richtige war jedoch bisher nicht dabei. Wie sinnvoll ist es, zur Überbrückung interimistisch tätig zu sein, bis ich die passende Stelle gefunden habe?“

Sehr geehrter Herr T.,

bei einer Stellenbesetzung werden von potentiellen Arbeitgebern praktisch immer solche Lebensläufe bevorzugt, die keine oder nur kurze Lücken aufweisen. Insofern ist es sicherlich richtig, darauf zu achten, möglichst durchgehend beschäftigt zu sein.

Genauso wichtig ist es jedoch, „seiner Linie treu zu bleiben“. Das bedeutet, dass Sie in Ihrer Karriereplanung z. B. nicht durch viele verschiedene Berufsfelder wechseln sollten. Dies könnte Ihnen sonst als ‚unstetes Verhalten‘, um nicht zu sagen als Planlosigkeit ausgelegt werden. Berufliche Stationen unter drei Jahren sollten nicht die Regel sein. Wechseln Sie zu häufig, könnte Ihnen mangelndes Durchhaltevermögen unterstellt werden. In der Darstellung sollten Ihre Wechsel klar und verständlich sein. Dabei können Sie durchaus Ihre Wechselmotivation unter den jeweiligen Aufgabenbereichen vermerken, sollten dabei aber Aussagen wie ‚höheres Gehalt realisierbar‘ oder ‚ich wurde gemobbt‘ unterlassen.

Die Zeit zwischen zwei Festanstellungen können Sie beispielsweise dazu nutzen, sich beruflich weiter zu entwickeln und so Ihr berufliches Know-How sinnvoll ergänzen oder bestimmte Kenntnisse vertiefen (je nach Werdegang z. B. Steuerkenntnisse, Bilanzierung/Rechnungslegung, Sprach- oder IT-Kenntnisse, aber auch Führungsthemen). So signalisieren Sie, dass Sie nicht stehen bleiben, sondern Ihr Wissen à jour halten.

Auch wenn Sie eine Schulung oder Weiterbildung besuchen, sollten Sie sich in dieser Zeit weiter bewerben. Je länger Sie ohne passende Aufgabe sind, je offener sollten Sie auch gegenüber einem interimistischen Einsatz sein. Wichtig ist die Aufgabe, die inhaltlich einigermaßen zu Ihrem Werdegang passen sollte.

Sie können beispielsweise eine Elternzeit- oder auch längere Krankheits-Vertretung nutzen, um Ihre Fähigkeiten und Erfahrungen in einer befristeten Anstellung einzubringen: Sie können Ihre beruflichen Kenntnisse einsetzen, aber auch Ihre schnelle Auffassungsgabe und Ihre guten kommunikativen Fähigkeiten unter Beweis stellen, indem Sie sich schnell in die neuen Themenfelder einarbeiten und von Kollegen und Mitarbeitern akzeptiert werden. Es signalisiert zum einen Loyalität, da Sie trotz kurzer Zugehörigkeit zum Unternehmen an dessen Erfolg mitwirken, und zum anderen fachliche Kompetenz, wenn Sie selbst in einem kurzen Zeitfenster gute Ergebnisse erzielen. Aber auch eine kurz- oder mittelfristige Selbstständigkeit kann Sie weiterbringen, wenn Sie ein gutes Netzwerk haben und gut in der Akquisition von Projekten sind. Veränderungsprozesse oder – personelle oder fachliche –Kapazitätsengpässe erfordern immer wieder interimistische Unterstützung durch selbständige Interim-Manager.

Wichtig ist dabei, dass Sie das eigentliche Ziel – die Festanstellung – nicht aus den Augen verlieren! Denn die Erfahrung zeigt: Je länger Sie interimistisch tätig sind, desto schwieriger wird es, für eine Festanstellung berücksichtigt zu werden, außer Sie werden nach einem interimistischen Einsatz fest oder zumindest mit längerer Befristung eingestellt.

 

Dr. Meera Gandhbir
Seniorberaterin und Prokuristin