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Unsere Leserin D. aus Gelnhausen fragt:

Veröffentlicht am 15.07.2014 | Erfolgreich bewerben

„Derzeit bewerbe ich mich intensiv, da mir nach über acht Jahren Betriebszugehörigkeit gekündigt wurde. Am Anfang bekam ich wenig Rückmeldungen, so dass ich mich auch weiter weg beworben habe. Vor zwei Wochen hatte ich ein Vorstellungsgespräch im Nachbarort, das gut verlaufen ist, so dass ich mit einer Zusage rechne. Nun habe ich sogar eine weitere Einladung zu einem Gespräch erhalten, allerdings hätte ich hier etwa 45min Anfahrt. Kann ich dieses Gespräch verschieben? Oder ist es ehrlicher, gleich abzusagen?“

 

Sehr geehrte Frau D.,

wenn ich die Situation richtig verstehe, dann suchen Sie mit einer gewissen Dringlichkeit eine neue Arbeitsstelle. Offensichtlich bestand bei Ihnen bis vor kurzem deshalb auch die Bereitschaft, gegebenenfalls einen längeren Fahrweg in Kauf zu nehmen. Die Frage, die Sie sich ehrlich stellen sollten, ist: Was hat sich zwischenzeitlich geändert?

Am Anfang des Bewerbungsprozesses hatten Sie keine Gespräche geführt und auch keine Einladungen vorliegen. Nun haben Sie ein Gespräch geführt und eine Einladung erhalten, allerdings bisher kein Angebot bekommen. Wie sicher ist es, dass Sie eine Zusage vom präferierten Unternehmen erhalten? Gibt es ein Datum, zu dem Ihnen ein Angebot vorliegen soll? Was ist, wenn Sie - wider Erwarten - eine Absage erhalten? Haben Sie dann Alternativen?

Die Frage ist, ob die zweite Position, für die Sie nun eingeladen sind, tatsächlich eine Option sein könnte. Wie wichtig ist Ihnen die Aufgabe? Wie ist Ihr persönliches Ranking, wenn Sie die beiden Positionen unabhängig von der Anfahrtszeit vergleichen? Haben Sie denn schon ein gutes Bild von der Position oder wäre ein Gespräch vor Ort nochmal eine Vergleichsmöglichkeit?

Wenn wirklich nur die Entfernung des zukünftigen Arbeitsweges der Ausschlag ist und Sie bisher keinen unterschriebenen Arbeitsvertrag vorliegen haben, sollten Sie für sich prüfen, ob eine Anfahrt von 45min für eine interessante Position für Sie wirklich inakzeptabel ist. Wenn nein, sollten Sie nicht ohne Not eine mögliche Chance aus der Hand geben. Letztendlich kann es nämlich sonst passieren, dass Sie weiterhin ohne eine neue Arbeitsstelle sind.

Wenn Sie allerdings nie wirklich vorhatten, diesen Weg tatsächlich zurück zu legen, sollten Sie spätestens jetzt fair sein und Ihre Bewerbung zurückziehen, damit die Gesprächsteilnehmer ihre Zeit anders investieren können und gegebenenfalls ein anderer Bewerber an Ihrer statt zum Zuge kommt.

 

Dr. Meera Gandbhir

Seniorberaterin und Prokuristin