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"Die Zukunft ist bereits da. Schwedische Firma implantiert MitarbeiterInnen Microchips"

Veröffentlicht am 25.04.2017

So ist in einem Beitrag von Spiegel Online zu lesen. http://www.spiegel.de/karriere/schweden-cyborg-firma-implantiert-mitarbeitern-mikrochips-a-1141826.html

 

Ein schwedisches Start-up bietet seinen MitarbeiterInnen an, einen reiskorngroßen Mikrochip zu implantieren. Der Mikrochip macht die Bewegung innerhalb des Firmengeländes mühelos. Mit dem implantierten Mikrochip muss dann niemand mehr daran denken, eine Chipkarte oder gar einen Schlüssel mit sich zu führen. Mit einer Handbewegung lassen sich Türen öffnen, Drucker bedienen oder Kaffee und Smoothie bezahlen.

„Die Injektionsspritze durchstößt die Haut zwischen Daumen und Zeigefinger. Dann ein leiser Klick: Der Mikrochip wird in die Hand des Mitarbeiters implantiert. Ein neuer "Cyborg" ist entstanden.“

Von den 2000 Mitarbeitern der Unternehmensgruppe haben sich laut Spiegel Online innerhalb von zwei Jahren 150 MitarbeiterInnen einen Chip implantieren lassen. Die Injektion des Chips wird, so der Bericht, mit einer Firmenparty begleitet. Diejenigen, die den Chip schon tragen, werden wohl entweder die Technikbegeisterten sein oder diejenigen, die sich einfach den Alltag erleichtern wollen.

Die Frage ist für viele, wozu ein eingepflanzter Mikrochip noch eingesetzt werden könnte und was, wenn der Chip gehackt wird?

Neben dem Türenöffnen und der Bezahlfunktion wäre  es ja vielleicht auch möglich, den jeweiligen Aufenthaltsort der Person zu erfassen, wie lange jemand zur Toilette geht z.B. oder Gesundheitsdaten zu erheben.

„Viele sehen die Entwicklung skeptisch. Der Stockholmer Mikrobiologe Ben Libberton befürchtet, dass Hacker die Chips anzapfen könnten.“

Der Chip selbst sende jedoch nicht andauernd und braucht keine Batterie, so seine Befürworter.

„Das Lesegerät an der Bezahlstation aktiviert den Chip über eine Distanz von ein paar Zentimetern, dann werden wenige Daten abgerufen. Die Implantate sind passiv, geben also Daten preis, können aber selbst keine Daten abrufen.“

Die "Cyborgs", diejenigen, die den Chip bereits tragen, teilen die Sorgen wegen eines Missbrauchs offensichtlich nicht.

 "Viele regen sich auf wegen der ganzen Privatsphäre-Aspekte. Ich probiere gern Neues aus und sehe, was all das jetzt und in Zukunft ermöglichen kann."

Sieht so also die Arbeitswelt der Zukunft aus? Ist es das was gemeint ist, wenn es darum geht welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die Arbeitswelt hat?
Der Einsatz von implantierten Mikrochips hört sich ein bisschen an wie die Reise durchs All in unbekannte Welten. Raumschiff Enterprise lässt grüßen. Technischer Fortschritt hat auch in der Vergangenheit einerseits neue Hoffnungen und andererseits große Befürchtungen geweckt.

So gab es Anfang des 19. Jahrhunderts rund um die Erfindung der Eisenbahn große Befürchtungen welche negativen Konsequenzen dieses Verkehrsmittel mit sich bringen wird. Schwelgten die Einen in großen Hoffnungen und dem Abschied von Gefahren der Reisen mit Kutschen, wirkte für Andere die Eisenbahn geradezu dämonisch, sie „rase … mit übermenschlicher Geschwindigkeit dahin“. Die frühen Eisenbahnen fuhren in England durchschnittlich 20 bis 30 Meilen pro Stunde und somit etwas das Dreifache der Postkutschen. 

Das Beispiel der implantierten Mikrochips macht jedoch ein wesentliches Thema im Zusammenhang mit der Digitalisierung und ihren Auswirkungen deutlich. Die Technik kann heute schon viele Dinge möglich machen und solche Möglichkeiten werden sich noch deutlich erweitern.

Es geht darum wie mit diesen Möglichkeiten umgegangen wird und wie sie für echten, d.h. nachhaltigen Fortschritt genutzt werden können.

Eingepflanzte Chips für MitarbeiterInnen sind wohl eher eine technische Spielerei, die keine wesentliche Verbesserung bedeutet und deren Nutzung begrenzt sein wird. Auch im schwedischen Startup sehen das offensichtlich über 90% der Beschäftigen so – selbst, wenn eine Party lockt.

Je mehr technische Möglichkeiten sich bieten, desto höher werden die ethischen Anforderungen sein. Es geht darum, zu entscheiden was davon wie eingesetzt wird.
Für Unternehmen der nächsten Generation sollte die Entscheidung zur Nutzung der neuen Möglichkeiten auf dem Hintergrund von Ethik und Haltungen getroffen werden. Bringen die neuen Technologien mehr Nutzen für Kunden, bewirken sie Nachhaltigkeit und echte Entwicklung?

Der Grund warum die Digitalisierung eine gewaltige Herausforderung für Unternehmen bedeutet ist die Notwendigkeit, sich mit diesen Fragen zu beschäftigen. Die Herausforderung besteht nicht vorrangig darin, neue digitale Möglichkeiten zu integrieren, sondern sie besteht darin, diese zur Erreichung eines nachhaltigen Ziels, zum Nutzen der Kunden, zum Wohl der Gesellschaft und der Mitarbeiter einzusetzen.

Notwendig ist es somit, die Auseinandersetzung mit ethischen Grundlagen zu führen und gefestigt zu sein bevor neue technische Möglichkeiten eine Entscheidung erzwingen.

Im Sinne der Organisationsentwicklung ist es deshalb angeraten, diese Auseinandersetzung im Unternehmen zu führen.

 

Was könnten Sie morgen tun?

Die definierten Firmenwerte aus der Schublade holen, sie überprüfen und möglicherweise weiterentwickeln. Den Firmenalltag daraufhin überprüfen wieviel davon gelebt wird und wo es hakt. Bedenken von MitarbeiterInnen hören und Vertrauen in eine gute Entwicklung erarbeiten.

 

Gabriele Maier-Güttler

Beraterin im Bereich Organisationsberatung