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Gute Arbeit und das Recht darauf

Veröffentlicht am 12.07.2017

Morgens aufstehen, sich auf den Job, die damit verbundenen Aufgaben und Herausforderungen freuen, im besten Falle sogar ein Stück weit darin aufgehen und Sinnhaftigkeit spüren – so ließe sich in etwa der Idealzustand charakterisieren. Anstatt dessen empfinden viele Arbeitnehmer nach dem Klingeln des Weckers Lustlosigkeit und häufig Überforderung, wenn sie nur an ihren Arbeitsplatz denken. Die Arbeit als notwendiges Übel sehen und im schlimmsten Fall schon innerlich gekündigt zu haben ist ein Zustand, der für Arbeitgeber und Arbeitnehmer völlig unbefriedigend ist. Ideen und damit verbundene Handlungskonzepte, wie Arbeit tatsächlich GUT werden kann, liefern verschiedene Initiativen.

 

Verankertes Recht

„Gute Arbeit" so heißt die Initiative von ver.di und das Recht auf gute Arbeit ist seit 2010 in der Grundsatzerklärung dieser Gewerkschaft verankert. Ob eine Arbeit wirklich gut ist, können nur die Beschäftigten selbst beurteilen. Ihre Sicht ist somit die Basis für alle angestrebten Veränderungen. Das ABC der „Guten Arbeit" geht bei ver.di von A wie Arbeitsbegeisterung bis Z wie Zeitsouveränität. Dazwischen stehen Führungskräfteverantwortung, Gender, Inklusion, Kommunikation, Life-Work-Balance, Mitbestimmung, Resilienzstärkung und Wertschätzung, um nur einige weitere Punkte zu nennen. Burn-outs, arbeitsbedingte Depressionen und psychosoziale Erkrankungen nehmen rasant zu. Arbeitsintensivierung und Leistungsverdichtung heißen die Probleme, die vielen Menschen zu schaffen machen. Ver.di steht hier für sozialverträgliche und arbeitnehmerfreundliche Lösungen in einer modernen Arbeitswelt und setzt auf vorausschauende Forschungs- und Entwicklungsarbeit, auch hinsichtlich der Digitalisierung und den hiermit einhergehenden Veränderungen.
Auch die IG Metall beschäftig sich mit diesem Thema: Gute Arbeit ist Arbeit, bei der Beschäftigte mitreden und mitgestalten können, mit einem gerechten Entgelt, mit einem nachhaltigen Arbeits- und Gesundheitsschutz, sozialer Sicherheit und ohne Diskriminierung, so liest man auf der Internetseite. Die Realität sieht dagegen eher wie folgt aus: Leistungsdruck, Dauerstress, zu geringe Bezahlung, Arbeit ohne Ende und Angst um den Arbeitsplatz. Gesundheitlich beeinträchtige Personen und behinderte Beschäftigte haben es in dieser Arbeitswelt noch schwerer und nur jeder zweite Beschäftigte geht laut IG Metall derzeit davon aus, unter diesen Bedingungen bis zum Rentenalter durchzuhalten.

 

Die neue „Initiative für Gute Arbeit" – eine Arbeitgeberinitiative

„Nicht jammern, sondern aktives Anpacken, lautet unsere Devise", erklärt Albrecht Bühler, der Ideengeber der „Inititative für Gute Arbeit" der Bühler und Görzen GmbH in Nürtingen. Im Verbund mit Betrieben aus weiteren Branchen soll diese Initiative ihre Mitgliedsbetriebe im Wettbewerb um die knappen Fachkräfte ganz nach vorne bringen. Unternehmen dieses Netzwerkes bieten Arbeitsplätze der besonderen Art an, die sich neben den Faktoren Sicherheit und Wertschätzung auch durch gute Entwicklungschancen sowie ein starkes Team auszeichnen. Das spiegeln die 12 Kriterien der „Initiative für Gute Arbeit", zu denen beispielsweise die Begegnung auf Augenhöhe, aber auch feste Rituale und Events gehören. Die Förderung des Teamgedanken und menschliche Vielfalt sind ausdrücklich erwünscht, es gibt jede Menge kreative Freiheit, eine große Portion Vertrauen und Unterstützung, wo sie nötig ist, und zwar absolut verlässlich für jede Situation. Sicherlich besonders reizvoll für viele Mitarbeiter ist das Angebot flexibler Arbeitsprozesse und Arbeitszeiten, die Freiraum für Beziehungen und Familie schaffen. Zudem ist die unternehmerische Entwicklung eng an den Bedürfnissen der Menschen orientiert. Wer der „Initiative für Gute Arbeit" beitreten möchte, muss einige Voraussetzungen erfüllen, die  eine Aufnahmekommission prüft und danach jährlich evaluiert. Bereits 20 Unternehmen aus der GaLaBau-Branche sind bereit, sich auf den herausfordernden Weg dieser Initiative zu begeben. „Das wird ein sich ständig am Puls der Zeit weiterentwickelndes Langzeitprojekt, für welches Albrecht Bühler und ich brennen", begeistert sich Christine Görzen, Unternehmensberaterin und Mitbegründerin der Bühler und Görzen GmbH. Ein professionelles Marketingkonzept mit Qualitätssiegel sowie Forumsveranstaltungen zur Weiterbildung, aber auch zum Austausch unter Kollegen sind nur einige der Schlüssel für eine erfolgreiche Strategie. Weitere Informationen gibt es unter: www.initiative-fuer-gute-arbeit.de

 

Bereits auf den Weg gemacht

Die Akquise neuer Mitarbeiter nach ethisch moralischen Grundsätzen beschäftigt Benjamin Küsters, Geschäftsführer der Gartenhof Küsters GmbH in Neuss. „Wir haben derzeit zwei Personalvermittler engagiert, um unseren Bedarf an Fachkräften zu decken. Von der „Initiative für Gute Arbeit" erhoffe ich mir neue Anstöße, um für potenzielle Mitarbeiter zu einem der attraktivsten Unternehmen der Region zu werden", so Küsters. „Es gibt Menschen, die lieben patriarchische Systeme. Die würden bei uns allerdings nicht glücklich werden, weil wir nach Mitdenkern suchen. Wir haben, wenn es um die Optimierung unserer Arbeitsabläufe geht, immer noch Luft nach oben, und diesen Puffer würden wir gerne zusammen mit innovativen Mitarbeitern ausfüllen", erklärt Küsters. Jetzt schon verbinden seine Mitarbeiter laut aktueller Befragung mit dem Unternehmen Zuverlässigkeit, hohe Qualität, saubere Arbeit, hohe Kompetenz, Innovationen, Nachhaltigkeit, ein kollegiales Miteinander und ein angenehmes Arbeitsklima. „Wir haben keine Probleme damit, Mitarbeiter zu binden, aber wir haben ein Problem sie zu finden", ergänzt Geschäftsführer Jürgen Telders. „Seit die eigenen Azubis für zukünftige Azubis werben, sind wir hier recht gut am Markt unterwegs", freut sich Telders. „Wir sind  trotz unserer Größe ein echtes Familienunternehmen mit allen diesen Vorzügen geblieben und das gilt es jetzt zusammen mit den Ideen der „Initiative für Gute Arbeit" authentisch zu vermitteln", so Küsters.

 

 

Christine Görzen