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Herr A. aus Ditzingen fragt:

Veröffentlicht am 22.01.2018 | Erfolgreich bewerben

„Ich bin Mitte 40, habe meine berufliche Laufbahn 1995 bei einer WP-Gesellschaft begonnen und war danach immer in international agierenden Firmen tätig, seit 2003 in leitender Funktion. Ich habe schon mehrfach erlebt, dass meine Sparte geschrumpft oder meine Abteilung ins Ausland verlagert wurde. Zwar war ich auch einmal gute 5 Jahre bei einem Arbeitgeber beschäftigt, aber insbesondere meine beiden letzten Positionen dauerten jeweils keine 2 Jahre. Nun bin ich seit gut einem Jahr als kaufmännischer Leiter bei einem kleinen Mittelständler tätig. Die versprochene Prokura habe ich bis heute nicht erhalten, und mein Ziel, kaufmännische Geschäftsleitung, konnte ich hier bisher auch nicht verwirklichen. Das kurzfristige Denken der Unternehmensführung und die angespannte wirtschaftliche Lage lassen mich über einen erneuten Jobwechsel nachdenken. Oder ist das noch zu früh?“

 

Sehr geehrter Herr A.,

Wenn ein Unternehmen eine Stelle besetzen möchte, ist dies immer mit einer Investition an Zeit und Geld verbunden. Auch deshalb wünschen sich Arbeitgeber in der Regel eine nicht zu kurze Firmenzugehörigkeit. Aus dem ersten Blick auf Ihren Lebenslauf und Ihre dort aufgeführte berufliche Vergangenheit schließt man auf Ihr zukünftiges Verhalten. Haben Sie mehrere kurze Stationen in Ihrem CV mit Verweildauer unter 2 Jahren, kann Ihnen das durchaus negativ ausgelegt werden – auch wenn Umstrukturierungen oder Stellenabbau die Ursache waren. Je nach Sichtweise des Empfängers könnte Ihnen beispielsweise unterstellt werden, Sie seien sprunghaft oder würden vor schwierigen Herausforderungen davonlaufen.

Wie angespannt ist die wirtschaftliche Lage Ihres derzeitigen Arbeitsgebers tatsächlich; wie sehen die Prognosen für die nächsten 12-24 Monate aus? Wie läuft die Kommunikation mit der Geschäftsführung; wie können Sie und das Management-Team sich einbringen? Wurde vor Arbeitsantritt schriftlich vereinbart, dass Sie Prokura erhalten und/oder in die Geschäftsleitung übernommen werden – oder nur mündlich? Insbesondere wenn Sie im Vorfeld nur darüber gesprochen haben und sich eventuell in der Zwischenzeit auch die Situation im Unternehmen verändert hat, sollten Sie zunächst eine passende Gelegenheit abwarten, um das Thema anzusprechen. Bis dahin ist zu empfehlen, fachliche Argumente zu sammeln, warum Ihnen die damit verbundende Verantwortung übertragen werden soll: Leistungen und Erfolge, die Sie dem Unternehmen bisher gebracht haben, und wie Sie mit zusätzlichen Kompetenzen noch mehr zum Unternehmenserfolg beitragen können.

Auch nach einem gemeinsamen Gespräch ist es natürlich gut möglich, dass Sie dennoch keine weiteren Kompetenzen erhalten. Die Frage ist dann, ob Sie für sich die Möglichkeit sehen, weitere 2-3 Jahre im Unternehmen tätig zu sein und dort auch etwas zu bewirken. Gibt es möglicherweise Projekte, die Sie mit Ihrem Team angehen können? Wenn Sie sich um eine ungeliebte Baustelle im Unternehmen kümmern und sich so der Unternehmensleitung als ‚Lösungsbringer‘ präsentieren, könnte dies Ihre Position verbessern. Und nach insgesamt 3-4 Jahren im Unternehmen haben Sie gezeigt, dass Sie auch in einer angespannten Situation mit kühlem Kopf Ihre Leistung bringen. Diese Erfahrung ist sicher auch bei einem neuen Arbeitgeber gerne gesehen.

 

Meera Gandbhir

Dr. Meera Gandbhir
Seniorberaterin und Prokuristin