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Mit 60 ist noch nicht Schluss (im Job)

Veröffentlicht am 17.10.2017 | Betriebliches Gesundheits­management

Viele ältere Mitarbeiter bedeuten mehr Fehlzeit? Das muss nicht sein!

Burn-out, Stress, Bluthochdruck, Diabetes, gar Krebs - die Liste der Krankheiten im Alter ist oft lang. Umso mehr müssen Firmen dafür sorgen, dass Beschäftigte bis zur Rente (nicht nur bis 65) arbeitsfähig bleiben – sonst nimmt der überall diskutierte Fachkräftemangel noch mehr und schneller zu.

Als wir für den Mittelständler K. in der Region Hohenlohe das Durchschnittsalter seiner Beschäftigten für 2025 errechneten, schrillten bei ihm alle Alarmglocken: Im Schnitt sind dann seine Angestellten dann 61,5 Jahre alt. Und Mittarbeiter 50plus werden nahezu zwei Drittel ausmachen. Im gewerblichen Bereich lag der Krankenstand sowieso schon bei 8 Prozent. „Das können wir nicht ignorieren“ meinte Mittelständler K., und angesichts des demographischen Wandels beschloss das Unternehmen mit uns das Projekt „mit 60+ noch in Schuss“.

Leistungsfähigkeit, Gesundheit und Zufriedenheit sind die Eckpunkte dieses Projektes, und um die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu fördern, luden wir erst einmal 30 Beschäftigte zu einem Workshop ein. Ziel war es, die Arbeitsfähigkeit der Mitarbeiter zu steigern bzw. sie mindestens auf dem jetzigen Niveau zu halten.

In unserem Verständnis beschreibt der Begriff Arbeitsfähigkeit das Gleichgewicht zwischen dem, was vom Beschäftigten erwartet wird, und dem was er tatsächlich leisten kann. Nur wenn beides kongruent wird, arbeitet der Beschäftigte effizient und bis ins höhere Alter zufriedener. „Die Arbeit soll an die alternden Beschäftigten angepasst werden, nicht umgekehrt!“ überraschte ich die Geschäftsleitung und die Betriebsratsmitglieder.


Unser ‚Gesundheitshaus‘, das wir vorstellten, sieht vier Etagen vor:

  • Die Gesundheit und Leistungsfähigkeit ist die Basis, quasi das Fundament
  • Im 1. Stock befinden sich Wissen und die Fähigkeiten, die uns als Personalentwickler besonders förderbar erscheinen
  • Im 2. Stock sind die Werte und Einstellungen beheimatet
  • Im Obergeschoss ist dann die eigentliche Arbeit, und was sie spezifisch vor Ort ausmacht, untergebracht
  • Der Garten um das Gesundheitshaus sind Familie, Freunde und die Gesellschaft, z. B. ehrenamtliches Engagement als Ausgleich

 

Das ganze Bauwerk gehört zusammen, nichts lässt sich getrennt voneinander betrachten.

Bei aktuellen Befragungen zum Thema ‚Arbeit und Alter‘ antworten 36% der Befragten, dass sie sich nicht vorstellen können, bis 65 oder gar länger zu arbeiten. Das ist doch ein alarmierendes Zeichen im Hinblick auf das immer knapper werdende Personal! Wenn wir fragen: „Was benötigen Sie, um bis zur Rente hier zu arbeiten?“ kamen Antworten wie:
„Wir brauchen dringend höhenverstellbare Tische und eine andere Pausenregelung.“

Dies korreliert mit den neueren Untersuchungen, die ganz klar vorschlagen, nach 90 Minuten mindestens eine fünfminütige Pause zu machen und sich in dieser auch zu bewegen. Das erfrischt den Geist und stärkt die Stützapparate (Muskeln, Knochen etc.).

Mittelständler K. resümiert nach einem Jahr positiv: „Wir haben nun eine ruhige, kontinuierliche Fertigung. Es zählt nicht nur die Stückzahl!“ Besonders wichtig ist ihm nun die Kommunikation als Wert (im 2. Stock des Gesundheitshauses). Heute reden Mitarbeiter mit ihren Vorgesetzten über ihre Stärken und über ihre Schwächen, Wünsche für die Zukunft und auch über Bedürfnisse für den Arbeitsalltag. Früher schwieg man. Der Krankenstand sank innerhalb eines Jahres um 5% auf 3%. Das sind Zahlen, die jeden Controller überzeugen. Von der psychischen Gesundheit will ich heute gar nicht referieren.

Mittelständler K. ist mit seiner Einstellung nun vorne mit dabei, denn nach den aktuellen Gesundheitsreports der BG und der Barmer GEK z. B. im Südwesten, werden die Firmen in den nächsten 8 Jahren den „Exodus der Babyboomer“ spüren - in einer vermutlich für die Unternehmen „katastrophalen Weise“. Es gibt keinen oder nur wenigen, dafür teuren Ersatz.

Also wieso jetzt nicht auf das Gesundheitshaus setzen und die Mitarbeiter 55plus gesund erhalten? Denn der Anteil der Erwerbstätigen sinkt bis 2025 um 4,2 % - das steht definitiv fest. Es erwartet uns ein Krankheits- und Renten-Tsunami! Und was machen die Mittelständler, denen das Fachpersonal schon vorher von den Fahnen geht?

Gerade komme ich von einem Termin mit einem Tübinger Mittelständler aus der Logistikbranche. Fahrer und Verwaltungsangestellte klagen über Rückenprobleme, Wirbelsäulen-, Knie- und Hüftbeschwerden. Dazu kommen vereinzelt Krebs, Diabetes und Bluthochdruck. Der Krankenstand ist auf über 15% angestiegen, und das bei einem Durchschnittsalter von 47 Jahren. Alle zwei Monate kündigt jemand. Ein Speditionskaufmann sagte mir, dass er seinen „höhenverstellbaren Tisch selbst mit Zuschüssen der Kasse finanziert hat!! Das muss nicht sein! „Manche haben einfach den Schuss noch nicht gehört…“

Fazit aller Gesundheitsverantwortlichen: „Die Arbeitgeber sollten sich in den nächsten Jahren intensiv um die Personalentwicklung und die Gesundheit, um die Bedingungen der Beschäftigten am Arbeitsplatz kümmern. Kümmern im besten Sinnen des Wortes (und ihren 2. Stock einmal gründlich renovieren). Denn: Gelingt den Betrieben dies nicht, wird der Standortvorteil (zusätzlich zu den Problemen der Antriebsmobilität) nicht haltbar sein.

Wenn Sie auch etwas gegen den zukünftigen Krankheits- und Renten- Tsunami tun wollen, warten Sie nicht länger:

Rufen Sie uns gerne an! Sie erreichen uns in unserer Zentrale in Stuttgart telefonisch unter 07 11 / 22 45 18 - 0

Joachim Schönberger

Berater für Personal – und Managementberatung