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Na ich bin dann mal weg – ab in den Urlaub ohne Reue

Veröffentlicht am 28.07.2015 | Betriebliches Gesundheits­management

Uschi Warneke*, 37, Marketing- und Vertriebsleiterin in der Lebensmittelbranche im Taubertal, freut sich unbändig auf ihren übermorgen beginnenden Urlaub.
Fast drei Jahre hat die Singlefrau keinen Urlaub über eine Woche mehr gehabt. In 2014 war sie jeden Tag im Urlaub zum Büro „online“ bzw. mit skype verbunden.
Gerade stöhnt sie über ihren übervollen Schreibtisch: unerledigte Vorgänge, Emails und Formulare neben gesetzlichen Verordnungen wechseln sich ab. Uschi Warneke hat heute um 6 Uhr im Büro begonnen, dann später zwei Meetings durchgestanden, wenig delegiert und sie hat die Absicht bis 22 Uhr zu bleiben. Immer den „drohenden“ Urlaub im Hinterkopf. Morgen hat sie noch einmal die Chance Aufgaben abzugeben. Doch auch das schafft sie dann nicht. „Dabei habe ich mich so auf die Kreuzfahrt gefreut.“
Frau Warneke geht es wie 7 von 10 Beschäftigten** im letztjährigen Urlaub: sie wird für ihren Chef und ihre Mitarbeiter auf ihrer 14tägigen Kreuzfahrt durch die Ostsee „online“ bleiben.
Achtung Gefahr: die mental-psychische Balance ist schon länger gefährdet, nun wäre es für sie die Chance das Geschäftshandy auszulassen und sich um ihre Erholung und Entspannung zu kümmern. Doch sie schafft es ohne Hilfe einfach nicht!
 
Die Trennlinie zwischen ihrem stressigen Berufsalltag und der für sie anstrengenden Urlaubszeit verwischt vollständig. Perfekter Einstieg in das Hamsterrad auf dem Weg das „Burnout“ oder ähnliches.
„Die selbstverschuldete Entgrenzung von Arbeit und Urlaub/Erholung“ nennt Wolfgang Panter das. Panter ist der Präsident des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW)**.
„Urlaub“ ist die Zeit, die arbeitsfähige Arbeitnehmer oder auch Selbständige vom Arbeitsplatz berechtigt fernbleiben, obwohl nach Tages- und Wochenzeit eigentlich Arbeitsleistungen zu erbringen wären.
Neuro – semantisch geht der Begriff Urlaub*** auf das alt- und mittelhochdeutsche Substantiv urloup zurück, das zunächst ganz allgemein „Erlaubnis“ bedeutete. In der höfischen Sprache der mittelhochdeutschen Zeit bezeichnete es dann die Erlaubnis wegzugehen, die ein Höherstehender oder eine Dame dem Ritter erteilen konnte. So baten im Hochmittelalter Ritter ihren Lehnsherren um urloup, also um „Urlaub“: Im Urlaub wird gefeiert, gelebt und entspannt. Der Geist, die Psyche und die Seele dürfen auf andere Gedanken und Sinneseindrücke kommen. In Anlehnung an Friedrich Schiller: „Ich feier, also bin ich!“

Wie es auch geht:

Katrin Meister*, 39, Teamleiterin mit vier Mitarbeiterinnen, Mutter dreier Kinder hat es in einigen Sitzungen mit meiner Beratungsunterstützung geschafft: „Meine Botschaft an mich selbst: meine Mädels schaffen das(auch ohne mich)“.
Katrin Meister hat die Botschaft für sich erarbeitet, sich selbst gesagt und dann auch klar kommuniziert, in welchen Fällen sie zu einer bestimmten Zeit per SMS erreichbar ist. „An einem Tag von 14 wurde mir tatsächlich
eine SMS geschickt, so gut hatte ich alles vorbereitet und delegiert“, erzählte sie mir später stolz.

Sie kam zu mir mit einer Bitte: „ich hatte die letzten drei Jahre keinen gelungen Urlaub mehr, mein Mann und die Kinder haben sehr darunter gelitten, das ich ständig im Urlaub online war. Meine ständige Erreichbarkeit war wie ein Erholungskiller für die ganze Familie. Ich möchte das nicht mehr erleben!“
In den Sitzungen legten wir einen Vorbereitungsplan „ohne mich – ich bin dann mal weg“ an: Sie begann 10 Tage vor urlaubsbeginn, die Zeit ohne die Chefin zu strukturieren:
Welche Planungen, Thema, Projekte stehen in dieser Zeit an? An wen kann ich jeweils übergeben? Welche Risiken können während meiner Abwesenheit entstehen?
Ab wann und durch wen möchte ich informiert werden?
Als Katrin Meister mit ihrer Liste fertig war hatte sie weniger als 20 Punkte, für die sie in den 10 Tagen je eine halbe Stunde vorplanen musste. „ Insgesamt hat sich die ca. 8 Stunden Vorarbeit gelohnt, zumal ich manche meiner „Urlaubsvorlagen“ ja nächstes Jahr wieder verwenden kann.“
Dann hat sie noch 3 Stunden in die entsprechenden Vorgespräche mit Ihren Mitarbeiterinnen investiert. Für sogenannte Übergabegespräche.
Tipp von mir: die Übergabegespräche auf gar keinen Fall am letzten Tag vor dem Urlaub. Meine Erfahrung zeigt, dass es „über Nacht“ noch zu Fragen und Unklarheiten kommen kann. Dann ist keine Zeit mehr zu reagieren.

Wenn Uschi Warneke zu mir in die Beratung gekommen wäre:  Am letzten Tag keine Meetings mehr, die neue Problematiken bringen können.
An diesem Tag den fast leeren Schreibtisch dann absortieren: Bestellscheine, Rechnungen, Vordrucke offene Vorgänge gehören in einen allgemein zugänglichen Ordner, damit die jeweiligen Personen auch Zugriff haben.
Zum Schluss noch mail- und Telefonweiterleitungen aktivieren um dann noch da und dort noch zu hinterlassen, dass der wohlverdiente Urlaub bis zum sein wird.

Wenn Sie bis hier her mitgelesen haben, fragen Sie sich sicherlich schon, ob dieser Aufwand eigentlich im Verhältnis steht?

1. Ja natürlich: weil Sie es sich Wert sind Ihren Urlaub als Erholung zu genießen!
2. Weil alle Studien/Befragungen zeigen, dass Beschäftigte die Störung des Urlaubs  
     zulassen, sich nicht einmal halbsogut regenerieren wie ohne Störungen.
3. Negative Gedanken bezüglich des Arbeitslebens stören die innere Balance.
4. Sonne, Strand oder Berge, relaxen oder Abenteuer vertragen sich neuro-  
    psychologisch nicht sehr gut mit Arbeits- und Erreichbarkeitsstress.
5. Weil Sie doch hoffentlich frisch und erholt und neu motiviert ihren Aufgaben nach
    dem Urlaub wieder aufnehmen wollen.
6. Wir sind heut zwar mit lauter maschinellen Helferlein umgeben, doch wir selbst
    sind immer noch keine Maschinen. Wir benötigen unsere Regeneration. Gut so!

Fazit:
Ich bin dann mal weg – hoffentlich ganz und gar  - ist dann Ihre beste „Burnout – Prophylaxe. Stress-Prävention fängt bei der Urlaubsvorbereitung an.

Und übrigens:
Sollten Sie hierzu Fragen oder Anregungen haben, rufen Sie mich gerne nach Ihrem Erholungsurlaub an!

In diesem Sinne: einen schönen Urlaub allerseits!

*   Namen und Branchen selbstverständlich geändert
**  Bitkom – Studie 2014
*** Wikipedia

 

Joachim Schönberger
Berater für Personal – und Managementberatung