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Unser Leser F. aus Lohr fragt:

Veröffentlicht am 22.01.2015 | Erfolgreich bewerben

„Seit fast sieben Jahren bin ich als Leiter Finanzen und Administration bei meinem jetzigen Arbeitgeber tätig. Wegen der unsicheren Lage im Unternehmen und ersten Umstrukturierungen habe ich vor zwei Monaten begonnen, mich beruflich umzuschauen. Am Anfang habe ich wenig Rückmeldungen bekommen, aber nun kommen die ersten Antworten. Allerdings wurde ich nun auch öfter angerufen und ich habe drei Telefon-Interviews geführt statt einem Gespräch vor Ort. Zeugt das nicht eher von wenig Interesse? Ich bin Diplom-Kaufmann, 48 Jahre und kann neben umfangreicher Berufserfahrung auch auf nachweisliche Erfolge verweisen. Alles in allem habe ich bisher zwei richtige Interviews geführt. Ist das eine eher gute oder eine eher schlechte Erfolgsquote?“

Sehr geehrter Herr F.,

erfahrungsgemäß dauert es am Anfang des Bewerbungsprozesses eine Weile, bis die ersten Rückmeldungen kommen. Diese hängen beispielsweise von der Position selbst ab, aber auch von der Qualität Ihrer Bewerbung und wie gut Sie fachlich auf die Position passen bzw. wie dies aus Ihren Unterlagen ersichtlich ist. Die Erfolgsquote lässt sich letztendlich erst dann beurteilen, wenn diese Faktoren, aber natürlich auch die Anzahl Ihrer Bewerbungen bekannt sind.

Je höher eine Position ist, umso mehr Bewerber gibt es in der Regel auf die Ausschreibung und umso länger dauert der Auswahlprozess. Um den Prozess zu beschleunigen, werden immer wieder auch telefonische Vorab-Interviews geführt, um sich schnell einen Überblick zu verschaffen und auch einen ersten Eindruck vom Kommunikationsverhalten potentieller Kandidaten zu gewinnen. Bei positivem Eindruck folgt meist ein persönliches Gespräch vor Ort beim Unternehmen.

Das bedeutet, dass diese Telefonate auf jeden Fall ernst zu nehmen sind! Nach der Termin-Vereinbarung für ein solches Telefonat sollten Sie die Gelegenheit nutzen, sich auf ein solches Gespräch vorzubereiten. Da Sie Ihr Gegenüber nicht sehen können, gilt hier noch mehr als bei einem direkten Gespräch, dass Sie sehr gut zuhören müssen. Fragen, die Ihnen gestellt werden, müssen Sie schnell aufnehmen und kurz und knapp beantworten können.

Wichtig ist, dass Sie sowohl bei Ihren Antworten als auch bei einer eventuellen Selbstpräsentation auf den Punkt kommen. Sie sollten sich nicht in einem langen, detaillierten Monolog über Ihre beruflichen Stationen referieren, sondern prägnant die Punkte erläutern, die auch zur Vakanz passen. Diese Punkte sind es, die Ihren Gesprächspartner am meisten interessieren. Dieser will im Moment ‚sein Problem‘, die Besetzung einer Vakanz lösen, und nicht unbedingt ausführliche Erfolgstories aus fremden Firmen hören. Davon abgesehen können Sie zu gegebenem Zeitpunkt bei einem längeren persönlichen Gespräch vor Ort weitere Informationen zu Ihrem Werdegang geben, wenn es in den Kontext passt.

Wichtig ist bei diesen Telefonaten auch, bewusst Sprechpausen einzulegen, um nachzuhören, ob Ihnen zugehört wird und Sie verstanden wurden. Dabei können Sie auch aktiv nachfragen, beispielsweise: „Haben Sie jetzt ein Bild von meinen Aufgaben? Möchten Sie noch andere Informationen?“

Bei einem Telefonat macht sich Ihr Gegenüber automatisch ein Bild von Ihnen. Versuchen Sie deshalb, ruhig und ausgeglichen, offen und freundlich, selbstbewusst aber nicht rechthaberisch oder gar überheblich ‚rüber zu kommen‘. Jede Firma wünscht sich engagierte, kompetente, verantwortungsbewusste Mitarbeiter - aber nicht Superman/Superwoman. Um ein besseres Gefühl dafür zu entwickeln was wirklich gewünscht wird, sollten Sie sich auch umfangreich zum Unternehmen informieren.

Aber nur durch gutes Zuhören können Sie herausfinden, was Ihren Gesprächspartner wirklich interessiert. Dann können Sie gezielt in den Dialog gehen und überzeugen, dass Sie die Lösung sind für das derzeitige ‚Problem‘.

 

Dr. Meera Gandbhir

Seniorberaterin und Prokuristin