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Unser Leser P. aus Esslingen fragt:

Veröffentlicht am 26.10.2015 | Erfolgreich bewerben

„Da ich als nächsten Karriereschritt in eine Position mit Führungsverantwortung wechseln möchte, habe ich vor ein paar Monaten begonnen, mich zu bewerben. Mittlerweile war ich bei zwei verschiedenen Vorstellungsgesprächen, eines steht noch aus. Jedes Gespräch ist natürlich mit Fahrtkosten verbunden, die ich mir erstatten lasse. Das nächste Gespräch findet vormittags statt, so dass ich plane, am Abend vorher anzureisen und im Hotel zu übernachten. Kann ich die Übernachtungskosten ebenfalls in Rechnung stellen?“

 

Sehr geehrter Herr P.,

die Wahrnehmung eines Vorstellungsgesprächs ist für beide Seiten mit einem zeitlichen und finanziellen Aufwand verbunden. Von Seiten des Gesetzgebers ist geregelt, dass die Fahrtkosten eines Bewerbers vom potentiellen Arbeitgeber übernommen werden müssen – es sei denn, dass ausdrücklich etwas anderes vereinbart wurde. Die Erstattung der Fahrtkosten umfasst die Kosten für die Fahrt mit dem eigenen Pkw, mit öffentlichen Verkehrsmitteln (in der Regel Fahrt in der 2. Klasse) und, falls benötigt, mit dem Taxi.

Mehrkosten für z. B. die Fahrt in der 1. Klasse, Kosten für die Übernachtung (oder auch für einen Flug) können nicht ohne weiteres eingefordert werden. Die Frage ist, welche Kosten verhältnismäßig sind.

In Ihrem Fall wäre die Frage, was die Alternative, nämlich morgens anzureisen, genau bedeutet. Ist das Gespräch beispielsweise um 8:30 Uhr angesetzt und Ihre Anreisezeit beträgt fünf Stunden, empfehle ich, vorab beim Unternehmen anzurufen. So können Sie zum einen zu klären, ob die Kosten übernommen werden und zum anderen erfahren, ob es möglicherweise günstigere Firmen-Konditionen in bestimmten Hotels gibt – unabhängig davon, wer die Rechnung zahlt. Findet das Gespräch um 10 Uhr statt und die Anreise dauert etwa drei Stunden, empfehle ich, entweder morgens zu fahren oder die Kosten selbst zu tragen.

Im Vorstellungsgespräch geht es darum, ob beide Seiten fachlich und persönlich zueinander passen. Der persönliche Eindruck wird sicherlich mitgestimmt durch Äußerlichkeiten wie Kleidung oder pünktliches Erscheinen, aber auch durch das Auftreten, z. B. Händedruck, Körperhaltung oder Blickkontakt. Von beiden Seiten ist höfliches und authentisches Auftreten gewünscht. Es wird geprüft, ob man ein gutes Vertrauensverhältnis zueinander aufbauen kann. Als Bewerber oder Bewerberin freut man sich über ein paar nette Worte zu Beginn und darüber, dass man einen Kaffee oder ein Wasser angeboten bekommt. Von Firmenseite wünscht man sich Kandidatinnen und Kandidaten, die nicht nur extrinsisch motiviert sind. Dazu kann gehören, dass man vielleicht nicht alles bis ins letzte Detail aufrechnet, was möglich wäre, z. B. die Fahrt mit der S-Bahn für 4,40€ als einziger Posten oder eben eine nicht unbedingt zwingend nötige Übernachtung.

Wenn Sie also nicht vom Unternehmen schon im Voraus Informationen zur Anreise erhalten haben und diesbezüglich auch selbst nichts in Erfahrung bringen konnten, müssen Sie letztendlich selbst entscheiden: Ist Ihnen die Position so viel wert, dass Sie eine Investition tätigen und einen Teil der Kosten selbst übernehmen, um diesen dann gegebenenfalls später bei der Steuererklärung als Werbungskosten abzusetzen?

Unabhängig davon, wie Sie sich entscheiden: Die Fahrtkosten-Erstattung beantragen Sie am besten am Ende des Bewerbungsprozesses und nicht gleich im Anschluss an das Bewerbungsgespräch.

Meera Gandbhir

Dr. Meera Gandbhir
Seniorberaterin und Prokuristin